Neuwerk - Friedhof der Namenlosen

vergrössern... Auf der kleinen, vor der Elbmündung gelegenen Insel Neuwerk gibt es einen jener Namenlosen-Friedhöfe, die an der Nordseeküste dazu dienten, anonym gebliebene Strandleichen beizusetzen. Der Neuwerker Friedhof wurde bereits im Jahr 1319, also im späten Mittelalter, zum erstenmal erwähnt. Er ist allein den unbekannten Opfern der Nordsee überlassen geblieben, denn die Inselbewohner werden auf dem Festland in Cuxhaven beigesetzt. Inmitten dieser Anlage, die unter Denkmalschutz steht, befindet sich ein zentraler Gedenkstein.

Der Friedhof ist vom umlaufenden Deich über einen kurzen grasbestandenen Weg zu erreichen, der einige Meter durch dichtes Schilf führt. Man muss dann noch zwei weißglänzende Holzpforten passieren, bevor man diesen abgeschiedenen, von Lindenbäumen umrahmten "Garten Gottes" erreicht. Er wird von etlichen schlichten Holzkreuzen geprägt, die fast alle ohne jede Inschrift sind. Gelegentlich schmückt ein kleiner, von Unbekannten hinterlassener Blumenstrauß eines der Holzkreuze.

Allerdings gibt es auf dem Neuwerker Seefahrerfriedhof eine Ausnahme von der Namenlosigkeit. Es ist ein Holzkreuz, größer als die anderen, das folgende Inschrift trägt: "Hier ruht der Unterprimaner Herbert Vogel aus Bremen geb. 4.10.1909 gestrandet 17./18.8.1928 mit der Segelyacht Kleeblatt". Die Geschichte dieses tragischen Strandungsfalles lässt sich mithilfe alter Zeitungen rekonstruieren. Das Wetter war damals, also Mitte August 1928, recht unbeständig. Über der norddeutschen Küste wechselten Kalt- und Warmfronten, es gab Niederschläge und Gewitter. Zwei Bremer Schüler, die Brüder Vogel, und ein befreundeter junger Engländer - alle unter 20 Jahre alt - hatten sich mit ihrer Sieben-Meter-Segelyacht "Kleeblatt" leichtsinnigerweise auf die Fahrt von Hamburg nach Bremen begeben. Sie kamen nie an. Ihr Boot wurde von Fischern auf der Robbenplate gefunden, einer Sandbank westlich von Neuwerk.

Die anschließende Untersuchung ergab, dass sie sich versegelt hatten und in die Brandung vor der Sandbank geraten waren. Sie waren zuvor ausdrücklich auf die Gefahr ihrer Unternehmung hingewiesen worden. Während die Leiche des Unterprimaners Herbert Vogel gefunden wurde, sind die anderen beiden verschollen. Warum aber Herbert Vogel auf dem Namenlosen-Friedhof von Neuwerk beigesetzt wurde und nicht auf einer Familiengrabstätte, darüber kann nur spekuliert werden...

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